Nicht immer brachte der Hase die Ostereier

Thüringer Osterhasen aus Pappmaché in aller Welt beliebt
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Zu Ostern gehört das Osterei. Meist sind sie bunt, oft mit Mustern und Sprüchen versehen. Doch wer bringt nun letztendlich die gefärbten und verzierten Eier. Der Osterhase? Stimmt! Doch nicht immer. Zuerst musste der Osterhase eine stattliche Zahl tierischer Konkurrenz aus dem Weg räumen. Denn in Orten nahe Erfurt aber auch in Eschenbergen bei Gotha und Walschleben bei Erfurt sowie der Goldenen Aue (Raum Nordhausen) brachte der Kickelhahn, auch Gickelhahn die gefärbten Ostereier. Im südlichen Teil Schleusingens, dem Kreis Hildburghausen kam der sogenannte grüne Hase. In verschiedenen Orten Thüringens, so in Möhra bei Bad Salzungen konnten sich die Kinder auf den Kuckuck verlassen, der für bunte Eier sorgte. Und in den meist evangelischen Gegenden des Freistaates konkurrierte schon immer der Storch mit dem roten und grünen Osterhasen. In Suhl, Sonneberg, Neustadt und Meiningen sowie den Nachbargemeinden nahm sich der Osterhase den Storch zum Helfer
Eine erste Erwähnung des Osterhasens gab es aber erst am Ende des 17. Jahrhunderts.

Ausgerechnet eine Dissertation, die der Arzt Johannes Richier 1682 bei dem Heidelberger Mediziner Georg Franck von Franckenau einreichte, heißt es unter den gut klingenden Titel »De Ovis Paschibilibus. Von Oster-Eyern: Im Elsaß und den angrenzenden Gegenden nennt man diese Eier Haseneier auf Grund der Fabel, mit der man einfältigen im Geiste und Kinder weissmacht, der Osterhase lege solche Eier und verstecke sie in den Gärten im Grase, damit sie von den Kindern zum Ergötzen der lächelnden Erwachsenen desto eifriger gesucht werden.«

Es musste in Thüringen jedoch Jahrhunderte dauern, bis endlich der langohrige Vierbeiner als wichtigster Eierlieferant anerkannt wurde. Wichtigen Anteil an dieser Entwicklung waren die Hasenfiguren aus Schokolade und Pappmaché, die heute noch in Thüringen produziert werden. Die Hasen aus Pappmaché, in Steinach aus Marolin produziert, erfreuen sich dabei einer wachsenden Beliebtheit. Denn die Marolin-Manufaktur bewahrte und rettete diese alte Familientradition in die Gegenwart. Neben über 50 Modellen, die sowohl im Laden auch online zu erwerben sind, überraschen die Mitarbeiter jedes Jahr mit einer Sonderauflage. Wie die Geschäftsführerin Evelin Forkel verriet, wird der „Hase auf dem Meilenstein“ in zwei verschiedenen Farbvarianten sein Stammhaus in den nächsten und Wochen verlassen. Das im Jahr 1900 gegründete Traditionsunternehmen »Marolin« fertigte seit Anbeginn in Handarbeit sogenannte Füllhasen aus einer speziellen Pappmache-Rezeptur. »Dazu nehme man Ton, Kaolin, Papierfaser, Kleister und Wasser«, die Erklärungen von Evelin Forkel machen nur noch neugieriger, denn die Tradition des Herstellen von Pappmaché-Figuren ist in Thüringen im Raum Sonneberg und Judenbach bis in das 18. Jahrhundert verbürgt. Allerdings gab es verschiedene Rezepturen, die meist in der Familie verblieben. Interessant auch, das sich mit der Einführung des Pappmachés die Herstellung von Spielwaren in und um Sonneberg komplett veränderte und so amerikanische Auftraggeber günstig und schnell beliefert werden konnten. Auch heute noch wandern kleinere Hasenmodelle über die Steinacher Theke oder per Post in die ganze Welt. »Zu Ostern sind neben den Schafen auch die Hasen besonders beliebt, deren Körper und Körbchen sich mit Süßigkeiten füllen lassen«, weiß die Geschäftsführerin. Dank der industriellen Verarbeitung von Rübenzucker trat auch der Schokoladenosterhase seinen Siegeszug im 19. Jahrhundert an. Selbst Thomas Mann schilderte in seinem Zauberberg ein österliches Frühstücksgedeck mit Veilchenstrauß und Ei, während die festliche Mittagstafel mit Häschen geschmückt, aus Zucker und Schokolade (war).

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